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Schall und Wahn von Tocotronic
Preis bei Amazon: EUR 17,65, Angebote ab EUR 6,17 3,5 von 5 Punkten (durchschnittliche Bewertung) Erscheinungsdatum: Januar 2010
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Aus der Amazon.de-RedaktionDer einst in der heutigen Bundeshauptstadt lebende David Bowie schuf mit Brian Eno in den 70er Jahren mit den epochalen Alben Low, Heroes und Lodger eine Berlin-Trilogie. Der Begriff fällt nun auch im Zusammenhang mit Tocotronic, denn nach Pure Vernunft darf niemals siegen und Kapitulation weist auch Schall und Wahn Bezüge zu Berlin auf: Hier wurden alle drei Alben der vom Diskurs-Rock zum mehr poetischen Pop geschwenkten Gruppe aufgenommen, hier wurde Gitarrist Rick McPhail als zweiter Gitarrist vollwertiges Bandmitglied und vor allem liefen alle Werke durch das Mischpult vom Produzenten Moses Schneider. Mit ihm wurden die herb-charmanten, krachigen, dilettantischen und bisweilen hölzern wirkenden Songs eleganter, vielschichtiger und musikalisch spannender - auch wenn die Tocos schon auf ihrem weißen Album Tocotronic andeuteten, dass sie anders können. Textlich stand das Quartett um Songschreiber Dirk von Lowtzow eh jenseits allen Zweifels. So wie auch Ton Steine Scherben irgendwann aufhörten Parolen wie ?Macht kaputt was euch kaputt macht? zu formulieren, so verzichten auch Tocotronic nun vermehrt auf Schlagworte. Die Band, die nicht nur Teil einer Jugendbewegung sein wollte, sondern eine Jugendbewegung rekrutierte, ist nämlich erwachsen geworden in Bild, Ton und Sprache. Es macht Spaß, die zwölf abwechslungsreichen Stücke zu hören. Reicht das Spektrum doch vom ausufernden und 8-minütigen ?Eure Liebe tötet mich? in bester Crazy-Horse- und Grunge-Manier zu feinem Pop, von rumpelnden Rock zu Streichern-Arrangements des Komponisten Thomas Meadowcroft wie Bläser-Passagen von Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels (JaKönigJa). Epen und Eruptionen, alles ist dabei. Die Texte sollen andere in stundelangen Analyse-Treffen sezieren und interpretieren, aber die akustischer Chamber-Pop-Nummer ?Im Zweifel für den Zweifel? ist große Lyrik. Ein flammender Appell, nicht immer den so bequemen und angstfreien Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. - Sven Niechziol ProduktbeschreibungIm tocotronischen Universum ist ein Fieber ausgebrochen. Es ist glühend, ansteckend und bringt das Bewusstsein unaufhaltsam durcheinander. Außerdem und im besten Fall kann es zu wahnhaften Zuständen führen. Denn das Gebot des neuesten Tocotronic-Albums lautet: Nicht zur Besinnung kommen! Sondern im Gegenteil: Sich reinsteigern! Bis man die Bodenhaftung verliert. Schall und Wahn ist nach Pure Vernunft darf niemals siegen und Kapitulation das letzte Album der Berlin-Trilogie und ein entfesselter Aufbruch in ein neues Jahrzehnt. In zwölf hell und finster leuchtenden Liedern entwerfen Tocotronic eine wahrhaft infernalische Welt, die von Liebe und Verbrechen beherrscht wird, vom Guten wie dem Bösen. Sie erzählen von der Ambivalenz des Schmerzes und von wohlbekannten Lastern wie Neid, Feigheit und Gier. Selbst die Konventionen des Lovesongs haben Tocotronic mit ihrem schönen Gift infiziert. Denn Liebe ist hier weder rettendes Glücksversprechen, noch schmerzhaftes Scheitern. Die neue Tocotronic-Liebe ist vielmehr eine ungestüme und zerstörerische, aber gleichzeitig kreative Kraft. Ja, wirklich, die Blumen des Bösen wachsen hier in den prächtigsten Farben. Doch wer glaubt, Tocotronic habe sich in eine Welt shakespear?scher Tragödien oder gar in die moralischen Abgründe exzentrischer Dandys geflüchtet, irrt. Wenn auch das neue Album entschieden weniger gegenwartsdiagnostisch klingt als die Manifest-Platte Kapitulation, so beschreibt es doch keineswegs eine Flucht ins Private. Schließlich liegen in den tocotronischen Überschreitungen nur allzu wahre Erkenntnisse über die Verstrickung von Liebe und Macht und den neurotischen Überschuss von Gefühlen. Oder auch über die ganz alltäglichen gesellschaftlichen Anrufungen und inneren Dämonen, denn die Folter endet nie. Aufgenommen wurde Schall und Wahn, wie schon die beiden Vorgängerwerke, zusammen mit dem Produzenten Moses Schneider in Berlin. Dieser experimentierte wie ein mad professor mit den Möglichkeiten eines erweiterten Raumklangs, was der Platte eine geradezu cinemascope-hafte Größe verleiht. Live eingespielt, wurden die Songs von den fließenden Streicherarrangements des Komponisten Thomas Meadowcroft noch zusätzlich ausgedehnt. Und Dirk von Lowtzow, Jan Müller, Rick McPhail und Arne Zank präsentieren sich als Band geschlossener und eingeschworener denn je. Mitunter hat man wirklich das Gefühl, dieser Rock spiele sich wie von selbst. So gibt es viel Raum für Improvisationen, delirierende Instrumentalstrecken, elegant donnernde Rhythmen und aufwühlende Gitarrengewitter. Auch wenn in alter Tocotronic-Tradition wieder einige Verneinungsformeln proklamiert werden, ist die Zeit der Gewissheiten vorüber. Zumindest wird Im Zweifel für den Zweifel als emotionale Wahrheit der Stunde besungen. Schall und Wahn ist Tocotronics bisher heftigste Propagierung von Zwischenstufen, Ich-Auflösung und Vielheit. Es ist ein loderndes Zwitterwerk ? hin-und hergerissen zwischen gesellschaftlichem Statement und individuellem Spleen, zwischen klassischer tocotronischer Negation und Überwindung derselben, zwischen kreativem Akt und Zerstörung, Wach-Sein und der Sprache des Unbewussten. Doch vor allem haben Tocotronic ein Album über Musik gemacht. Über die Kraft des Schalls...zu erklingen, sich auszubreiten und uns fort zu tragen, dem Flug der Töne zu folgen, wohin auch immer. 5 Kundenrezensionen:Es ist einfach... 1 von 5 Punktennur noch Popmusik. Man schaltet das Radio aus, um Bands wie Silbermond und Rosenstolz nicht hören zu müssen, und dann kommt sowas aus dem CD-Player. Ich war treuer Fan der ersten Stunde. Beim letzten Studioalbum hatte ich noch nicht kapituliert. Jetzt schon. "Schall und Wahn" ist ein musikalischer Weichspüler und hat mit Rockmusik nichts mehr zu tun. Schade. Die Seele ist flöten gegangen 3 von 5 PunktenDer Künstler, die Gesellschaft, der Konsum, das System und die Zwänge ... HURZ!!! Mann, macht euch mal wieder locker! Sollte man dem Songschreiber vielleicht raten: "Mach es nicht selbst?" Auch ich finde - wie viele vor mir - nur "Im Zweifel" genial. Der Rest ist definitiv gut hörbar, aber es begeistert nicht wirklich. Und nun haben wir ein interessantes Phänomen: Die Kritiker sind insgesamt begeisterter als die Fans. Wer Dirk gerne schöne Stücke singen hört, dem sei Phantom/Ghost dringend empfohlen (mittlerweile viel besser!). Leider enttäuschend 2 von 5 Punkten...das war nix! Das lang ersehnte Album blieb für mich leider ohne jeden denkbaren Höhepunkt, die Titel wirken flach und langeweilig. Bitte wieder eine Kapitulation! ein song gegen die durchschnittlichkeit 2 von 5 Punktenselbstverfangen und repitatives gebährden, alt gewordene menschen. grenzt schon an angeblich gehasstes muckertum, nur mit einer bräsigen hülle "kunst". eine band gefangen im eigenen korsett, in der halbherzigen und sterilen theoretisierung ihres alltag. ausnahme ist die aktuelle single "im zwiefel für den zweifel", immerhin ein glimmen, aber das einzige, das sich im ansatz dem kreativen abbau widersetzt, in den sich tocotronic durch ihre ideologische demagogik ziehen. was fehlt ist klar: frische, witz, schwung. nur, der erfolg, also der kommerzielle, gibt ihnen, was sonst, recht. na dann. aber immerhin, die zeichen für einen neuerlichen bruch stehen jetzt gut, wäre da nicht nur dieser mangel an leben um die menschen herum. desweiteren waren die grossen werke, "digital ist besser" und "tocotronic", bekanntermassen gruppenwerke über das tocotronische alltagsnetz hinaus, mit sehr viel erfrsichender und weitender einbringung vielleicht solcher, denen diese jungs nicht die wasser reichen können. so bleibts vermutlich beim verschenkten sprachlichen talent und der hoffnung auf einen dritten knaller. Huldigt dem Feedback 5 von 5 PunktenIch habe letztens nachgedacht. Ja, auch das kommt vor. Die Frage, die ich mir selbst stellte: Wann haben Tocotronic eigentlich angefangen mit diesem "neuen" Stil der letzten Alben? Die Anwort ist einfach: Als Rick McPhail die Bühne betrat. 2000 wurde er Roadie von Tocotronic, zwei Jahre später folgte das erste Album der neuen Ära der Band, ganz schlicht selbstbetitelt und von einer ebensolchen Erhabenheit. Mit "Pure Vernunft darf niemals siegen" wurde das Konzept weitergesponnen, die Musik gleichzeitig reduziert. Auf "Kapitulation", der besten Platte, die Tocotronic jemals gemacht haben, durfte dann auch mal gelärmt werden. Bei "Schall & Wahn" wird das jetzt fortgesetzt. Wer die Konzerte der Kapitulation-Tournee gesehen hat, der weiß, dass am Ende von "Freiburg" ein minutenlanges Feedback- und Krachgewitter stand. Ein ebensolches begleitet den Hörer auf vielen der zwölf Songs aus "Schall & Wahn". Etwa auf dem Album-Opener "Eure Liebe tötet mich". Was als ruhiger Pop-Song beginnt dehnt sich über acht Minuten aus zu einem Rock-Monster. "Stürmt das Schloss" besteht von der Musik her aus nichts anderem (und ist vermutlich auch deshalb ein wenig anstrengend). Und ganz am Ende des acht-minütigen Outros "Gift", da werden die Gitarren von Streichern weggeblasen. Erwartet uns also als nächstes ein Scott-Walker-Album? "Schall & Wahn" konnte nicht so groß werden wie "Kapitulation", ist aber auch nicht viel schlechter. Denn vieles auf "Schall & Wahn" wirkt wie "Kapitulation 2", was nicht weiter schlimm ist. Einen Bruch, wie "Kapitulation" gegenüber "Pure Vernunft darf niemals siegen" darstellte, war einfach nicht zu erwarten. Dafür hat die Band jetzt den Humor entdeckt und erinnert damit an "Räuber und Gedärm" von Die Sterne. "Macht es nicht selbst" und vor allen Dingen "Bitte oszillieren Sie" ist genialer Unfug. Zwischendurch ist "Schall & Wahn" auch ruhig. "Das Blut an meinen Händen" etwa ist gruselig schön, besonders wenn am Ende der Background-Gesang einsetzt. "Im Zweifel für den Zweifel" ist sogar ein Folk-Pop-Song, Das war's aber auch mit der Ruhe. Bei "Schall & Wahn" bleibt vor allen Dingen der Krach in Erinnerung. |
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